Herold - Das Website Abo und dessen Folgen

HEROLD – Das Website Abo und dessen Folgen

Nach dem Umzug meiner Familie von Deutschland in die Oststeiermark bei Fürstenfeld analysierte ich den Markt bzgl. vorhandener Anbieter aus dem Bereich Website-Design und -Erstellung. Hierbei begegnete mir ein österreichischer Anbieter namens Herold. Mein erster Kontakt beschränkte sich auf ein Firmenverzeichnis, welches sich offensichtlich einer hohen Beliebtheit und auch einem guten Ranking bei Google erfreut. Da ich meine neue Website natürlich auch vor Ort bekannt machen wollte, reichte ich einen Eintrag in das von Herold angebotene Firmenverzeichnis ein.

Wenige Tage später wurde der Eintrag bereits gelistet und war mittels Suchmaschine gut auffindbar. Nach Eintragung meiner Firma ins Verzeichnis ergänzte ich noch ein paar Informationen zum Profil über den Mitgliederbereich von Herold. Was mir auf vielen Seiten des Anbieters auffiel, dass überdurchschnittlich oft auf den Kontakt per Telefon hingewiesen wurde.

Auf einer der Webseiten von Herold stolperte ich eher zufällig über einen SEO Check, den ich doch gerne bereitwillig ausführte, da ich natürlich auch ständig darauf bedacht bin, eventuelle Verbesserungen für meine Kunden und mich umzusetzen. Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf einer Marketing Mitarbeiterin der Firma Herold. Diese sprach mich auf den eingereichten SEO Check an und schlug mir unmittelbar ihr “kleinstes” Paket zur Optimierung meiner Website vor. Dies wären insgesamt ca. 4 Stunden Arbeit, die in die OnSite Optimierung meiner Seite von einem Spezialisten investiert werden würden, natürlich mit persönlicher telefonischer Absprache ganz nach meinen Bedürfnissen. Für “nur” etwas über 2000 EUR  bekäme ich diesen “exklusiven” Service. Natürlich könne ich auch größere Pakete in Anspruch nehmen. Ich lehnte dankend ab, da mit diesem Budget bereits eine komplette kleinere Webseite in sehr guter Qualität realisiert werden kann. Trotzdem wollte ich gerne mehr Details über die angebotenen Dienstleistungen von Herold erfahren und bat die Mitarbeiterin um mehr Informationen per E-Mail. Schnell musste ich allerdings feststellen, dass hierfür keine Bereitschaft bestand und mich bis heute auch kein klar definiertes schriftliches Angebot erreichte.

Das Abo-Modell – Website-Nutzung auf Raten

Ich studierte ein wenig die dargebotenen Produkte im Hinblick auf Website-Design und Hosting. Geworben wird mit: “professionell, individuell und kostengünstig”. Ein Verkaufsmodell, bei welchem der Kunde also ein Abo über 36 Monate abschließt und monatlich eine Rate zahlt. Der Anbieter finanziert somit seine Software-Entwicklungskosten durch einen wiederkehrenden Beitrag über einen fixen Zeitraum hinweg, vor allem mit der Absicht, dass der Kunde auch über die 3 Jahre hinaus die Dienstleistung bucht. Es stellte sich für mich heraus, dass dem Kunden allerdings bei dem Herold-Abo kaum eine andere Alternative bleibt.

Das Service-Provider zunehmend auf ein Abo-Modell umsteigen, dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein. Software-Anbieter wie Adobe haben bereits vor einiger Zeit diesen Schritt gewagt und sind von einmaligen Kauf-Lizenzen auf monatliche Abos gewechselt. Grundsätzlich spricht auch nichts gegen dieses Modell, sofern für den Käufer transparent dargestellt wird, welche Leistungen und welche Rechte ihm bei der Verwendung der Software zustehen. Die Themen Online-Recht und Urheberrecht sind jedoch den wenigsten Menschen geläufig.

“Das Urheberrecht ist das Recht des „Schöpfers“ an dem „Werk“, das er geschaffen hat. Er ist der Einzige, der bestimmen kann, was mit diesem „Werk“ geschieht.” (Quelle: www.justiz.gv.at)

Doch warum ist das Thema Urheberrecht hier so relevant? Bei der Realisierung einer Webseite gibt es mehrere Bestandteile, die schlußendlich ein großes Ganzes ergeben. Hauptbestandteil moderner Homepages sind sogenannte Content-Management-Systeme (CMS), die eine getrennte Pflege von Inhalten und Programmcode (Quellcode) ermöglichen. Hinzu kommen Gestaltung und Design, um eine Website nach außen optimal zu präsentieren. Die Website als solche unterliegt nicht dem Urheberschutz (Quelle: www.internet4jurists.at). Jedoch unterliegen Bestandteile wie das zuvor angesprochene CMS – durch welches die Website eine Einheit bildet – dem Urheberrecht.

An dieser Stelle kommt nun das Abo-Modell ins Spiel. Auf was lässt sich der Kunde ein, wenn er eine Website auf Basis eines solchen Abos beaufragt? Diese Frage beantwortet ein Blick in die sehr klein geschriebenen AGBs der Firma Herold. Diese weisen daraufhin, dass Herold “sämtliche Urheber- und sonstige Immaterialgüterrechte an der CMS-Applikation und an den darüber generierten Websites” gehören. Dies betrifft: “Gestaltung, Aufbau, Design, Quellcode und von HEROLD bereitgestellte Inhalte(…)” (Quelle: §2 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf). Dem Kunden wird lediglich ein zeitlich begrenztes einfaches Nutzungsrecht für die Dauer der Vereinbarung bzw. des Abos zugestanden. Auf deutsch: Sollte sich der Kunde irgendwann dazu entscheiden, seine Website bei einem anderen Anbieter hosten zu wollen, so darf er dies nicht, weil es ihm die vertraglich geschlossenen Vereinbarungen mit Herold untersagen. Ergo: Eine Neugestaltung bzw. Erstellung der Homepage wäre nötig, da auf das vorhandene CMS nicht mehr zugegriffen werden darf. Gleichermaßen verhält es sich mit den erstellten Inhalten wie Fotos, Texten und Grafiken. Auch hier gestattet Herold seinen Kunden eine ausschließliche Nutzung auf den von ihnen erstellten Websites. Nachfolgender Auszug zur Vertragslaufzeit bringt den Sachverhalt auf den Punkt:

“Mit Beendigung des Vertrages erlischt das Recht zur Nutzung der CMS-Applikation sowie der mittels der CMS-Applikation erstellten Websites und deren Hosting; eine Weiterverwendung bzw. Mitnahme der über die CMS-Applikation erstellten Websites, deren Gestaltung, Text, Design und Inhalten nach Vertragsbeendigung ist aufgrund bestehender Urheberrechte ausgeschlossen.” (Quelle: §7 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf )

Dies bedeutet, dass auch vom Kunden selbst geschriebene Texte und Bilder nicht mehr dem ursprünglichen Urheberrecht unterliegen, sobald diese auf der, per Abo-genutzten, Homepage integriert sind.

Folgen einer Kündigung des Herold-Abos

Der Kunde muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Website insbesondere erst mit der Zeit an Stärke gewinnt und im Ranking bei Google aufgrund verschiedener Kriterien – wie z.B. Backlinks, Website-Alter oder Keyword optimierter Inhaltsseiten – aufsteigt. Die fehlende Möglichkeit des Umzugs bzw. der Pflege der Website durch einen anderen Anbieter bindet den Kunden dauerhaft an das oben erwähnte Abomodell und zwingt ihn quasi dazu, das Abo aufrechtzuerhalten. Wichtig ist somit vor Abschluss eines solchen Vertrages genau zu erwägen, ob die Bereitschaft vorhanden ist, den monatlichen Abo-Beitrag so lange zu bezahlen, wie die Notwendigkeit einer Webseite besteht. Und generell besteht diese Notwendigkeit über viele Jahre – vor allem bei Unternehmern, die zunehmend mehr Kunden generieren. Hiermit bindet man sich an vorgegebene Strukturen wie das Hosting oder auch den Support an eine Firma. Nach Kündigung verliert man das Nutzungsrecht und muss die Neugestaltung und Implementierung der eigenen Website erneut in Auftrag geben. Erschwerend kommt hinzu, dass insbesondere auch die Texte nicht 1:1 wiederverwendet werden dürfen, da Herold das Urheberrecht diesbezüglich für sich beansprucht.

Auch das Thema Domain gestaltet sich bei Buchung über den Anbieter Herold als sehr diffizil. Im Standard Website-Paket ist bereits eine Wunschdomain inkludiert. Allerdings erhält nicht der Kunde bei Registrierung der Domain sämtlich Rechte, sondern die Firma Herold. Hinzu kommt, dass diese Rechte auch nach Kündigung des Abos weiterhin bei Herold verbleiben. Selbst wenn sich der Kunde also für eine Neugestaltung und Implementierung seiner Website entscheidet, so ist dies nicht ohne weiteres unter der bisher verwendeten und registrierten Domain möglich. Hierfür muss diese kostenpflichtig übernommen werden. Auszug aus den AGBs (Quelle: §9 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf):

Eine Übertragung der Rechte an der Domain auf den Kunden während oder nach Beendigung der Vereinbarung mit HEROLD ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung von HEROLD kostenpflichtig möglich.
Aktuell kann ich keine Aussage dazu treffen, inwiefern Herold hier bzgl. der Zustimmung seinen Kunden entgegenkommt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bei Buchung eines Zusatzproduktes (Domain-Pack) der Kunde die vollständigen Rechte an der registrierten Domain erhält. Hierfür fällt ein zusätzlicher jährlicher Beitrag von 80,- EUR an (Stand: August 2017).
 

Fazit

Zum Abschluss soll folgendes Rechenbeispiel kurz erläutern, welche Kosten für eine kleinere Webseite über den Abo-Zeitraum hinweg entstehen. Das Basispaket “Webdesign per Telefon” kostet 690 € EUR pro Jahr. Dieses beeinhaltet 3 Content-Seiten (Seiten mit Inhalten – wie z.B: Firmenprofil oder Dienstleistungen), was dem Durschnittskunden im Normalfall nicht genügen wird. Stellt sich der Kunde nämlich auf einer eigenen Seite selbst vor und präsentiert seine Dienstleistungen und seine Firmenphilosophie, sind 3 Inhalts-Seiten schnell überschritten. Für 5 zusätzliche Content-Seiten stellt Herold jedoch weitere 190 EUR pro Jahr in Rechnung. Somit lässt sich für insgesamt 8 Content-Seiten folgende Kostenaufstellung durchführen:
LeistungPreis pro Jahr
Webdesign per Telefon (inkl. 3 Conten-Seiten)690,- EUR
5 zusätzliche Content-Seiten190,- EUR
Gesamt880,- EUR

Bei einer Mindestvertragslaufzeit von 3 Jahren investiert der Kunde also 2640,- EUR und bindet sich dauerhaft an den Anbieter. Dieser hat keine Möglichkeit nach Ablauf der Vertragslaufzeit seine bestehende Website zu einem anderen Hosting-Anbieter umzuziehen, da sämtliches Nutzungsrecht nach Kündigung erlischt. Auch die Inklusiv-Domain gehört nicht dem Kunden selbst, sondern er müsste diese nach Vertragsende Herold kostenpflichtig abkaufen. Die Modalitäten hierfür erscheinen weder transparent noch sicher. Zu allem Überfluss können bisher verwendete Texte und Grafiken nicht auf der neuen Website verwendet werden, da die Urheberrechte bei Herold liegen.

Bereits im vorherigen Kapitel wurde angesprochen, dass eine Website erst mit zunehmender Zeit und natürlich auch aufgrund von Keyword- und Text- Optimierungen der einzelnen Seiten an Stärke gewinnt. Während bis dato aufgebaute Backlinks oder Socials Signs durch die Mitnahme der bisher verwendeten Domain bewahrt werden können (Off-Site-Optimierungen), wirkt sich der Wegfall Keyword optimierter Inhalts-Seiten und weiterer Elemente (On-Site-Optimierungen) negativ auf die Bewertung durch die Suchmaschine aus.

Abschließend sei erwähnt, dass das angebotene Produktmodell der Firma Herold auf den ersten Blick lukrativ und überzeugend erscheint. Der Kunde nimmt sich jedoch jede Möglichkeit der Flexibilität im Hinblick auf die Auswahl seines Web-Dienstleisters und Hostinganbieters. Gleichzeitig überträgt er implizit durch Vertragsabschluss und Erfüllung dessen seine Urheberrechte auf einem höchst bedenklichen und fragwürdigen Weg an die Firma Herold. Für unwissende Kunden enttarnt sich der abgeschlossene Vertrag als intransparente Einbahnstraße, aus welcher kein Weg mehr zurückführt. Insbesondere wenn ein Webauftritt längerfristig (ab ca. 2 Jahre) aufgelegt werden soll und nur normale bis wenige Änderungen anstehen, wird das Abomodell auf Dauer zum Kostenfaktor.

 

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