Wie die WKO Einzelunternehmen fördert

Wie die WKO Einzelunternehmen fördert

WKO Einzelunternehmen als Wirtschaftsfaktor

60,4 Prozent aller Unternehmen in Österreich waren laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) im Jahr 2016 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) ohne angestellte Beschäftigte (Quelle: Ein-Personen-Unternehmen (EPU) 2016). Dieser verhältnismäßig hohe Anteil zeigt die Wichtigkeit der Kleinunternehmer in Österreich als Wirtschaftsfaktor. Die Einzelunternehmen verteilen sich hierbei auf die verschiedensten Sparten. Mit einem Anteil von teils über 50 Prozent bilden die EPUs den Hauptbestandteil mancher Sparten (Quelle: Fact Sheet EPU 2017) wie z.B.:

  • Gewerbe und Handwerk 67,7 %
  • Information und Consulting 60,6 %
  • Handel 49,7 %

Anhand der kurzen Auszüge der WKO Statistik von 2016 wird sichtbar, warum die WKO daran interessiert sein sollte, die Ein-Personen-Unternehmen in Österreich zu unterstützen und zu fördern. Doch tut sie dies auch?

Zentraler Ansprechpartner und Serviceorientierung

Meine Lebenspartnerin und ich waren in der Vergangenheit schon in Deutschland selbstständig. Bzgl. der damaligen Firmengründung stießen wir jedoch weder auf eine Organisation die uns unterstützte, noch einen kompetenten Ansprechpartner, der die Unternehmen voranbringen wollte. Bereits bei der Gewerbeanmeldung in einer deutschen Gemeinde waren die dortigen Mitarbeiter überfordert, was die angebotenen Dienstleistungen und das Verkaufen digitaler Produkte betraf. Serviceorientierung war leider ein Fremdwort und fast alle Belange zur Selbstständigkeit mussten mühsam nachrecherchiert oder kostenpflichtig mit dem eigenen Steuerberater besprochen werden.

Umso erstaunter waren wir, eine Organisation wie die WKO in Österreich anzutreffen, die auf allen Ebenen daran interessiert ist, die Unternehmen im eigenen Land voranzubringen. Bereits bei Neugründung unserer Einzelunternehmen stand die WKO uns beratend zur Seite, um bzgl. des anzumeldenden Gewerbes zu unterstützen. Umfangreiche Informationen zu einzelnen Gewerben wurden uns ausgehändigt und in kostenfreien Beratungsgesprächen wichtige Details genau erläutert. Insbesondere bei Neugründung ist meist nicht ganz eindeutig, in welches Gewerbe die eigene Dienstleistung einzuordnenen ist und welche Fachgruppe später zuständig sein wird. Die sehr kompetente Beratung hat uns hier geholfen, einen Überblick über die unterschiedlichen Gewerbe mit ihren Voraussetzungen (z.B. Befähigungsnachweise) und Bestimmungen zu erhalten. Während Gewerbe wie das Handelsgewerbe keinen Befähigungsnachweis benötigen und somit grundsätzlich von jedem ausgübt werden können, sind andere Gewerbe wie beispielsweise die “Unternehmensberatung einschließlich Unternehmensorganisation” reglementiert und erfordern gewisse Nachweise des Gründers wie z.B. Zeugnisse und einschlägige Tätigkeiten.

Auch bzgl. steuerlichen Gegebenheiten wurden viele hilfreiche Hinweise u.a. zu Umsatz- und Gewinngrenzen gegeben. Fakten, die sonst meist in Eigenarbeit verteilt über das Internet zusammengetragen oder erst beim Steuerberater angefragt werden müssen, lieferte die WKO bereits vorab und ersparte uns dadurch viel Zeit. Hierbei sei auch auf die Webseite der WKO hingewiesen, die viele umfangreiche Informationen zu steuerlichen Rahmenbedingungen anbietet. Auf der Seite “Steuerinfos für Neugründer” werden visuell aufbereitet viele Fragen online beantwortet, die sich der Unternehmensgründer früher oder später im Hinblick auf Finanzamt oder weitere Geld-relevante Themen stellen muss. Auf Fristen zur Meldung der Firmengründung beim zuständigen Finanzamt wird ebenso eingegangen, wie Umsatz- und Gewinngrenzen für die Kleinunternehmerregelung.

Exkurs: SVA – Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung

Das Thema Sozialversicherung war für uns in Deutschland ein stark diskutiertes. Insbesondere als Neugründer stellt die Sozialversicherung dort einen erheblichen Kostenfaktor dar. Vor allem für Familien, die sich dazu entschieden haben, nicht in einer gesetzlich abgesegneten Ehe zu leben, werden hier seitens des deutschen Staates große finanzielle Hürden geschaffen. So liegt z.B. die Mindestbemessungsgrundlage in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland für Selbstständige bei über 2000 EUR im Monat. Dabei ist es für den Krankenkassenbeitrag unerheblich, ob mit der angemeldeten Tätigkeit deutlich weniger verdient wird – eine Korrektur nach unten ist nicht möglich. Dies bedeudet, dass jeder beginnende Kleinunternehmer zu monatlichen Beiträgen zur Krankenversicherung von fast 400 EUR gezwungen wird, während dagegen Höchstbeiträge von ca. 800 EUR für gutverdienende Selbstständige anfallen. Eine Pensions- bzw. Rentenversicherung ist in dieser Abgabe noch nicht inkludiert und muss zusätzlich abgeführt werden. Ebenso ist keine Möglichkeit zur Familienversicherung für nicht verheiratete Paare in Deutschland existent.

Umso mehr überzeugte uns das in Österreich bestehende Sozialversicherungssystem für Selbstständige. Bei der Erstberatung für WKO Einzelunternehmen erläuterte man uns das Beitragssystem zur Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA). Die Vorteile für Neugründer wurden schnell deutlich. Während die Abgabe zur Sozialversicherung in Deutschland noch nicht einmal einen Beitrag zur Pension (Rente) beinhaltet, stellt den Hauptanteil des SVA Beitrages mit 62% die Pensionsversicherung dar. Auch gestaltet sich der monatliche Gesamt-Beitrag zur SVA mit 127,16 EUR (für die ersten 3 Jahre) deutlich niedriger, was v.a. zum Beginn der Selbstständigkeit dem neuen Einzelunternehmer sehr entgegen kommt. Steigt der Verdienst, passt sich die Abgabe zur Sozialversicherung prozentual an. Als zusätzlichen Service hat uns die WKO Steiermark einen speziellen SVA Beratungstermin vor Ort angeboten, wo uns ein kompetenter Mitarbeiter der SVA über die Möglichkeit der Mitversicherung des Partners informierte, obwohl dieser kein Ehepartner ist. Zusätzlich konnten wir sofort alle notwendigen Unterlagen und Details abklären, so dass kein weiterer Schriftverkehr per Brief notwendig wurde. Hier waren wir besonders positiv überrascht, da in Deutschland die Kommunikation mit den dortigen Krankenkassen und Ämtern vor allem durch inkompetente Antworten oder sogar Ignoranz geprägt war.

Über Details zur SVA kann sich der angehende Unternehmer natürlich auch online informieren: Die häufigsten Fragen  – Versicherung und Beitrag.

Fortlaufende Betreuung und digitaler Support

Auch nach der Gewerbeanmeldung bietet die WKO Einzelunternehmen weitere Dienstleistungen an, die in Deutschland leider momentan nicht vorhanden sind. So erhält z.B. der Neugründer nach wenigen Tagen eine Checkliste als Erinnerung mit den wichtigsten To-Dos, die im Rahmen der Unternehmensgründung zu erledigen sind. Dadurch kann verhindert werden, dass Pflichten des Jungunternehmers vernachlässigt werden und dadurch im schlechtesten Fall Strafen anfallen.

Weiterhin werden regelmäßig Informationsveranstaltungen und Messen angeboten, die mittels Newsletter die Unternehmer erreichen. So wird u.a. der EPU Erfolgstag für WKO Einzelunternehmen der Steiermark in Graz organisiert. Hier konnten Selbstständige kostenlos aus einer Vielzahl an Vorträgen zu Themen wie Kommunikation, Finanzen, Verkaufsstrategien und sogar Wirtschaftsastrologie wählen und an diesen teilnehmen. Eine ebenfalls kostenlose und sehr gute und kompetente Kinderbetreuung ermöglichte es auch Eltern ohne private Betreuungsmöglichkeit, dieses Programm in Graz wahrzunehmen.

Wer konkrete Kontakte knüpfen möchte, hat u.a. auf der Geschäftskontaktmesse die Möglichkeit. Hierbei können vorab durch den Unternehmer 3-5 GeschäftspartnerInnen aus einer Liste ausgewählt werden. Für diese werden dann Gespräche à 15 Minuten durch die Regionalstelle organisiert. Für fachspezifische Themen planen die jeweiligen Fachgruppen der WKO Veanstaltungen, welche den Unternehmen zusätzlichen Mehrwert bieten sollen. Die UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie) organisiert beispielsweise einen Kongress mit dem Titel “Digitalisierung ist ein anspruchsvoller Weg” bei dem es u.a. um die Vorstellung aktueller Schwerpunkte wertschöpfender Unternehmer geht.

Bereits weiter oben im Artikel wurde der digitale Auftritt der WKO im Internet erwähnt. Insbesondere in Zeiten des digitalen Fortschritts von heute ist es für Unternehmer unerlässlich sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Neben grundlegenden digitalen Themen zu Website, Webshop oder Social Media, bietet die WKO auch Online-Ratgeber an. Jene sollen einem technisch nicht versierten Unternehmer bestimmte Themen näher bringen oder Ihm eine Einschätzung zu einem bestimmten Gebiet mittels Frage-Antwort-Katalog bieten. Die Seite: “Das DIGITAL Servicepaket der WKO” ist Einstieg für die vielschichtigen Informationen und Dienste. Beispiel für einen Online-Ratgeber ist das Thema IT-Security. Der Ratgeber IT-Safe bereitet nach gezielter Beantwortung von Fragen durch den Unternehmer eine Analyse zur IT-Sicherheit auf und gibt Umsetzungsvorschläge zur Verbesserung der IT-Sicherheit im eigenen Unternehmen.

Umlage – Kosten-Nutzen-Verhältnis

Natürlich kann eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wie die WKO auch nur existieren, wenn Sie für Ihre Leistungen ein Entgelt erhebt. Während die Grundumlage WKO-intern die Fachorganisationen finanziert, dienen die Kammerumlagen der Finanzierung der 10 Wirtschaftskammern. Für EPUs fällt im Normalfall nur eine Grundumlage an, die je nach Fachbereich varriieren kann. Diese bewegt sich zwischen ca. 80 – 350 EUR pro Jahr  (Quelle: Grundumlagen Steiermark 2017). Für das vielfältige Angebot, den sehr guten Service – welcher u.a. auch sehr schnelle Antwortzeiten per E-Mail beinhaltet – sind die Kosten für die Umlage als fair zu beurteilen. Die WKO bietet somit viele Inhalte an, die z.B. in Deutschland nur innerhalb zusätzlicher kostenpflichtiger Seminare angeboten werden. Als Kritikpunkt wäre zu erwähnen, dass manche Gewerbetreibende für die Ausübung ihrer Tätigkeit mehreren Gewerben zugeteilt und somit auch mehrfach zur Kasse gebeten werden. Eine Friseurin, die z.B. einen eigenen Friseursalon betreibt und dazu 2 Mal die Woche in Altenheimen die Haare schneidet, wird bzgl. der Grundumlage pro Jahr doppelt belastet, da sie nach Auslegung der WKO zwei unterschiedliche Gewerbeabsichten betreibt. Hier sollte zukünftig bzgl. der Umlage die individuelle Situation und auch das Einkommen genauer betrachtet und berücksichtigt werden.

Fazit

In Deutschland wurde uns Österreich sehr oft als Land der “Hinterwäldler” ohne wirtschaftliche Kompetenz vorgestellt, dabei sollte sich v.a. die dortige Industrie und Handelskammer hier ein Vorbild nehmen. Die WKO beweist durch ihre eigene Professionalität und hohe Service-Orientierung, wie ein gut organisiertes und zukunftsorientiertes Unternehmen auftreten sollte. Sie berät ihre Mitglieder kompetent und unterstützt diese darüber hinaus vielschichtig im Umgang mit ihren Partnern (wie z.B. die Sozialversicherung). Sie versucht insbesondere Kleinunternehmer und EPUs im eigenen Land auf allen Ebenen der Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen, wobei digitale Medien genauso genutzt werden wie klassische Möglichkeiten der Organisation von lokalen Veranstaltungen und Messen. Die Kosten der Grundumlage stehen in einem gesunden Verhältnis zu den angebotenen Leistungen. Zusammengefasst lässt sich die Antwort nach der Frage, ob die WKO Einzelunternehmen fördert, aus meiner heutigen Sicht mit “JA” beantworten.

 

Herold - Das Website Abo und dessen Folgen

HEROLD – Das Website Abo und dessen Folgen

Der Abo-Anbieter Herold

Nach dem Umzug meiner Familie von Deutschland in die Oststeiermark bei Fürstenfeld analysierte ich den Markt bzgl. vorhandener Anbieter aus dem Bereich Website-Design und -Erstellung. Hierbei begegnete mir ein österreichischer Anbieter namens Herold. Mein erster Kontakt beschränkte sich auf ein Firmenverzeichnis, welches sich offensichtlich einer hohen Beliebtheit und auch einem guten Ranking bei Google erfreut. Da ich meine neue Website natürlich auch vor Ort bekannt machen wollte, reichte ich einen Eintrag in das von Herold angebotene Firmenverzeichnis ein.

Wenige Tage später wurde der Eintrag bereits gelistet und war mittels Suchmaschine gut auffindbar. Nach Eintragung meiner Firma ins Verzeichnis ergänzte ich noch ein paar Informationen zum Profil über den Mitgliederbereich von Herold. Was mir auf vielen Seiten des Anbieters auffiel, dass überdurchschnittlich oft auf den Kontakt per Telefon hingewiesen wurde.

Auf einer der Webseiten von Herold stolperte ich eher zufällig über einen SEO Check, den ich doch gerne bereitwillig ausführte, da ich natürlich auch ständig darauf bedacht bin, eventuelle Verbesserungen für meine Kunden und mich umzusetzen. Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf einer Marketing Mitarbeiterin der Firma Herold. Diese sprach mich auf den eingereichten SEO Check an und schlug mir unmittelbar ihr “kleinstes” Paket zur Optimierung meiner Website vor. Dies wären insgesamt ca. 4 Stunden Arbeit, die in die OnSite Optimierung meiner Seite von einem Spezialisten investiert werden würden, natürlich mit persönlicher telefonischer Absprache ganz nach meinen Bedürfnissen. Für “nur” etwas über 2000 EUR  bekäme ich diesen “exklusiven” Service. Natürlich könne ich auch größere Pakete in Anspruch nehmen. Ich lehnte dankend ab, da mit diesem Budget bereits eine komplette kleinere Webseite in sehr guter Qualität realisiert werden kann. Trotzdem wollte ich gerne mehr Details über die angebotenen Dienstleistungen von Herold erfahren und bat die Mitarbeiterin um mehr Informationen per E-Mail. Schnell musste ich allerdings feststellen, dass hierfür keine Bereitschaft bestand und mich bis heute auch kein klar definiertes schriftliches Angebot erreichte.

Das Abo-Modell – Website-Nutzung auf Raten

Ich studierte ein wenig die dargebotenen Produkte im Hinblick auf Website-Design und Hosting. Geworben wird mit: “professionell, individuell und kostengünstig”. Ein Verkaufsmodell, bei welchem der Kunde also ein Abo über 36 Monate abschließt und monatlich eine Rate zahlt. Der Anbieter finanziert somit seine Software-Entwicklungskosten durch einen wiederkehrenden Beitrag über einen fixen Zeitraum hinweg, vor allem mit der Absicht, dass der Kunde auch über die 3 Jahre hinaus die Dienstleistung bucht. Es stellte sich für mich heraus, dass dem Kunden allerdings bei dem Herold-Abo kaum eine andere Alternative bleibt.

Das Service-Provider zunehmend auf ein Abo-Modell umsteigen, dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein. Software-Anbieter wie Adobe haben bereits vor einiger Zeit diesen Schritt gewagt und sind von einmaligen Kauf-Lizenzen auf monatliche Abos gewechselt. Grundsätzlich spricht auch nichts gegen dieses Modell, sofern für den Käufer transparent dargestellt wird, welche Leistungen und welche Rechte ihm bei der Verwendung der Software zustehen. Die Themen Online-Recht und Urheberrecht sind jedoch den wenigsten Menschen geläufig.

“Das Urheberrecht ist das Recht des „Schöpfers“ an dem „Werk“, das er geschaffen hat. Er ist der Einzige, der bestimmen kann, was mit diesem „Werk“ geschieht.” (Quelle: www.justiz.gv.at)

Doch warum ist das Thema Urheberrecht hier so relevant? Bei der Realisierung einer Webseite gibt es mehrere Bestandteile, die schlußendlich ein großes Ganzes ergeben. Hauptbestandteil moderner Homepages sind sogenannte Content-Management-Systeme (CMS), die eine getrennte Pflege von Inhalten und Programmcode (Quellcode) ermöglichen. Hinzu kommen Gestaltung und Design, um eine Website nach außen optimal zu präsentieren. Die Website als solche unterliegt nicht dem Urheberschutz (Quelle: www.internet4jurists.at). Jedoch unterliegen Bestandteile wie das zuvor angesprochene CMS – durch welches die Website eine Einheit bildet – dem Urheberrecht.

An dieser Stelle kommt nun das Abo-Modell ins Spiel. Auf was lässt sich der Kunde ein, wenn er eine Website auf Basis eines solchen Abos beaufragt? Diese Frage beantwortet ein Blick in die sehr klein geschriebenen AGBs der Firma Herold. Diese weisen daraufhin, dass Herold “sämtliche Urheber- und sonstige Immaterialgüterrechte an der CMS-Applikation und an den darüber generierten Websites” gehören. Dies betrifft: “Gestaltung, Aufbau, Design, Quellcode und von HEROLD bereitgestellte Inhalte(…)” (Quelle: §2 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf). Dem Kunden wird lediglich ein zeitlich begrenztes einfaches Nutzungsrecht für die Dauer der Vereinbarung bzw. des Abos zugestanden. Auf deutsch: Sollte sich der Kunde irgendwann dazu entscheiden, seine Website bei einem anderen Anbieter hosten zu wollen, so darf er dies nicht, weil es ihm die vertraglich geschlossenen Vereinbarungen mit Herold untersagen. Ergo: Eine Neugestaltung bzw. Erstellung der Homepage wäre nötig, da auf das vorhandene CMS nicht mehr zugegriffen werden darf. Gleichermaßen verhält es sich mit den erstellten Inhalten wie Fotos, Texten und Grafiken. Auch hier gestattet Herold seinen Kunden eine ausschließliche Nutzung auf den von ihnen erstellten Websites. Nachfolgender Auszug zur Vertragslaufzeit bringt den Sachverhalt auf den Punkt:

“Mit Beendigung des Vertrages erlischt das Recht zur Nutzung der CMS-Applikation sowie der mittels der CMS-Applikation erstellten Websites und deren Hosting; eine Weiterverwendung bzw. Mitnahme der über die CMS-Applikation erstellten Websites, deren Gestaltung, Text, Design und Inhalten nach Vertragsbeendigung ist aufgrund bestehender Urheberrechte ausgeschlossen.” (Quelle: §7 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf )

Dies bedeutet, dass auch vom Kunden selbst geschriebene Texte und Bilder nicht mehr dem ursprünglichen Urheberrecht unterliegen, sobald diese auf der, per Abo-genutzten, Homepage integriert sind.

Folgen einer Kündigung des Herold-Abos

Der Kunde muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Website insbesondere erst mit der Zeit an Stärke gewinnt und im Ranking bei Google aufgrund verschiedener Kriterien – wie z.B. Backlinks, Website-Alter oder Keyword optimierter Inhaltsseiten – aufsteigt. Die fehlende Möglichkeit des Umzugs bzw. der Pflege der Website durch einen anderen Anbieter bindet den Kunden dauerhaft an das oben erwähnte Abomodell und zwingt ihn quasi dazu, das Abo aufrechtzuerhalten. Wichtig ist somit vor Abschluss eines solchen Vertrages genau zu erwägen, ob die Bereitschaft vorhanden ist, den monatlichen Abo-Beitrag so lange zu bezahlen, wie die Notwendigkeit einer Webseite besteht. Und generell besteht diese Notwendigkeit über viele Jahre – vor allem bei Unternehmern, die zunehmend mehr Kunden generieren. Hiermit bindet man sich an vorgegebene Strukturen wie das Hosting oder auch den Support an eine Firma. Nach Kündigung verliert man das Nutzungsrecht und muss die Neugestaltung und Implementierung der eigenen Website erneut in Auftrag geben. Erschwerend kommt hinzu, dass insbesondere auch die Texte nicht 1:1 wiederverwendet werden dürfen, da Herold das Urheberrecht diesbezüglich für sich beansprucht.

Auch das Thema Domain gestaltet sich bei Buchung über den Anbieter Herold als sehr diffizil. Im Standard Website-Paket ist bereits eine Wunschdomain inkludiert. Allerdings erhält nicht der Kunde bei Registrierung der Domain sämtlich Rechte, sondern die Firma Herold. Hinzu kommt, dass diese Rechte auch nach Kündigung des Abos weiterhin bei Herold verbleiben. Selbst wenn sich der Kunde also für eine Neugestaltung und Implementierung seiner Website entscheidet, so ist dies nicht ohne weiteres unter der bisher verwendeten und registrierten Domain möglich. Hierfür muss diese kostenpflichtig übernommen werden. Auszug aus den AGBs (Quelle: §9 AGB_CMS_Applikation_V19_20170522.pdf):

Eine Übertragung der Rechte an der Domain auf den Kunden während oder nach Beendigung der Vereinbarung mit HEROLD ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung von HEROLD kostenpflichtig möglich.
Aktuell kann ich keine Aussage dazu treffen, inwiefern Herold hier bzgl. der Zustimmung seinen Kunden entgegenkommt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bei Buchung eines Zusatzproduktes (Domain-Pack) der Kunde die vollständigen Rechte an der registrierten Domain erhält. Hierfür fällt ein zusätzlicher jährlicher Beitrag von 80,- EUR an (Stand: August 2017).
 

Fazit

Zum Abschluss soll folgendes Rechenbeispiel kurz erläutern, welche Kosten für eine kleinere Webseite über den Abo-Zeitraum hinweg entstehen. Das Basispaket “Webdesign per Telefon” kostet 690 € EUR pro Jahr. Dieses beeinhaltet 3 Content-Seiten (Seiten mit Inhalten – wie z.B: Firmenprofil oder Dienstleistungen), was dem Durschnittskunden im Normalfall nicht genügen wird. Stellt sich der Kunde nämlich auf einer eigenen Seite selbst vor und präsentiert seine Dienstleistungen und seine Firmenphilosophie, sind 3 Inhalts-Seiten schnell überschritten. Für 5 zusätzliche Content-Seiten stellt Herold jedoch weitere 190 EUR pro Jahr in Rechnung. Somit lässt sich für insgesamt 8 Content-Seiten folgende Kostenaufstellung durchführen:
LeistungPreis pro Jahr
Webdesign per Telefon (inkl. 3 Conten-Seiten)690,- EUR
5 zusätzliche Content-Seiten190,- EUR
Gesamt880,- EUR

Bei einer Mindestvertragslaufzeit von 3 Jahren inverstiert der Kunde also 2640,- EUR und bindet sich dauerhaft an den Anbieter. Dieser hat keine Möglichkeit nach Ablauf der Vertragslaufzeit seine bestehende Website zu einem anderen Hosting-Anbieter umzuziehen, da sämtliches Nutzungsrecht nach Kündigung erlischt. Auch die Inklusiv-Domain gehört nicht dem Kunden selbst, sondern er müsste diese nach Vertragsende Herold kostenpflichtig abkaufen. Die Modalitäten hierfür erscheinen weder transparent noch sicher. Zu allem Überfluss können bisher verwendete Texte und Grafiken nicht auf der neuen Website verwendet werden, da die Urheberrechte bei Herold liegen.

Bereits im vorherigen Kapitel wurde angesprochen, dass eine Website erst mit zunehmender Zeit und natürlich auch aufgrund von Keyword- und Text- Optimierungen der einzelnen Seiten an Stärke gewinnt. Während bis dato aufgebaute Backlinks oder Socials Signs durch die Mitnahme der bisher verwendeten Domain bewahrt werden können (Off-Site-Optimierungen), wirkt sich der Wegfall Keyword optimierter Inhalts-Seiten und weiterer Elemente (On-Site-Optimierungen) negativ auf die Bewertung durch die Suchmaschine aus.

Abschließend sei erwähnt, dass das angebotene Produktmodell der Firma Herold auf den ersten Blick lukrativ und überzeugend erscheint. Der Kunde nimmt sich jedoch jede Möglichkeit der Flexibilität im Hinblick auf die Auswahl seines Web-Dienstleisters und Hostinganbieters. Gleichzeitig überträgt er implizit durch Vertragsabschluss und Erfüllung dessen seine Urheberrechte auf einem höchst bedenklichen und fragwürdigen Weg an die Firma Herold. Für unwissende Kunden enttarnt sich der abgeschlossene Vertrag als intransparente Einbahnstraße, aus welcher kein Weg mehr zurückführt. Insbesondere wenn ein Webauftritt längerfristig (ab ca. 2 Jahre) aufgelegt werden soll und nur normale bis wenige Änderungen anstehen, wird das Abomodell auf Dauer zum Kostenfaktor.